Die freundlichen Fotos von Donald Trumps Asienreise sollten uns nicht täuschen: Die USA ziehen ihre Sicherheitsgarantien zurück. Chaos und Gewalt könnten die Folgen sein.

Wer besichtigen möchte,
wie Liberalität und Demokratie, multilaterale Demokratie und Kooperation,
Offenheit und freier Handel zum Wohle einer größtmöglichen Zahl von Menschen
zusammenwirken können, muss es so machen wie Donald Trump gerade: Er muss
Nordostasien besuchen.

Die Region hat den USA
viel zu verdanken. Ihre Sicherheitsarchitektur wurde maßgeblich von den
Vereinigten Staaten entworfen. Die wirtschaftliche und politische Ordnung
Südkoreas und Japans, der beiden Länder, die der US-Präsident bis Mittwochmorgen auf seiner Asientour
besucht hat, wurden von seinen Amtsvorgängern geschaffen. Auch Taiwan und Hongkong – die er nicht besuchen wird – haben ihren Fortschritt auf den
Sicherheitszusagen der USA aufgebaut. Es sind liberale, demokratische Staaten, mit
Ausnahme von Hongkong, das als autonome Region zumindest über eine von China
unabhängige Legislative, Exekutive und Judikative verfügt.

Allein, der amtierende
Präsident hält nicht viel von dem Werk seiner Vorgänger. In Japan machte er
deutlich, dass das Land sich künftig selbst verteidigen könne – mit
Technik, die es zuvor in den USA kaufen solle. Dabei hat Japan nach seinem
verheerenden Krieg im Pazifik und seiner grausamen kolonialen Vergangenheit der
Gewalt abgeschworen. Es ist ein pazifistisches Kaiserreich, für das die
Vereinigten Staaten die Sicherheitsgarantie übernommen haben.

In Südkorea ist die
Lage nicht völlig anders: Auch hier haben die USA die Sicherheitszusagen
übernommen. Das Land befindet sich offiziell immer noch im Krieg. Deshalb ist
dort immer noch ein Uno-Kommando stationiert. Es wird von einem Amerikaner
geführt, der in Personalunion, so will es die geltende Rechtslage, automatisch
zum Oberbefehlshaber der südkoreanischen Streitkräfte werden würde, falls Südkorea
je sein Militär einsetzen müsste. 

Die einen sehen in
Asien vitale Interessen der globalen demokratischen Macht USA, einer selbsternannten
Anführerin der freien Welt. Aber Donald Trump sieht dort nur Militärausgaben.

Zusätzlich reitet er auf
angeblich unfairen Handelsabkommen herum, die er gern zum Wohl der
US-Wirtschaft verändern möchte. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, das über
acht Jahre ausgehandelte Freihandelsabkommen mit etlichen Ländern in der Region
zu kippen. Nun möchte er weitere
Wirtschaftsverträge neu aushandeln.

Auch hier bricht der
Präsident mit der bisherigen US-Außenpolitik. Mit ihr verknüpfte sich die Hoffnung, dass die
nordostasiatischen Länder durch eine zunehmende wirtschaftliche Verflechtung
ihre historisch gewachsenen Animositäten Schritt für Schritt vergessen oder
zivilisiert aufarbeiten würden, nachdem sie sich selbst in demokratische
Staaten gewandelt hätten. Und bisher schien sich diese Hoffnung auch zu
bestätigen. Taiwan wandelte sich friedlich von einem Einparteienstaat in eine
liberale Demokratie. Südkorea und Japan sind heute ebenfalls Demokratien. Das
aktuelle “Grundgesetz” Hongkongs, das zwischen England und China
ausgehandelt wurde – und für dessen Einhaltung ebenfalls die USA garantiert
hatten – sieht Hongkong quasi als autonome liberale Demokratie innerhalb der
Volksrepublik China.

Wo Trump also auf
seiner Reise hinschaut: Er dürfte nichts anders sehen als Erfolge und ideelle wie
wirtschaftliche Gewinne für die USA.

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