Der Asylbewerber Oury Jalloh könnte angezündet worden sein – das glaubt laut einem Bericht der Dessauer Oberstaatsanwalt. Zuvor soll es ähnliche Todesfälle gegeben haben.

Im Fall des 2005 in einer Dessauer Polizeizelle durch ein Feuer umgekommenen Asylbewerbers Oury Jalloh
geht laut einem Medienbericht der Dessauer Leitende Oberstaatsanwalt
Folker Bittmann von einer Vertuschungstat durch Polizisten aus. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtete, verwirft
Bittmann in einem Vermerk vom April 2017 nicht nur die These eines
Unfalltods Jallohs. Vielmehr beschreibe er konkret ein Szenario, wonach Beamte den Häftling angezündet haben könnten. Zudem habe der Staatsanwalt Parallelen zu zwei weiteren, ungeklärten Todesfällen in der Polizeistelle Dessau gezogen.

Das
Motiv für die Ermordung könnte demnach gewesen sein, dass dem Asylbewerber zuvor
zugefügte Verletzungen vertuscht werden sollten. Auch hätten
Ermittlungen zu früheren Todesfällen im Umfeld der Dessauer Polizei
verhindert werden sollen. Bittmann stützt sich demnach auf Gutachter und
die Ergebnisse eines 2016 unternommenen Brandversuchs, wonach der
gefesselte Jalloh mit einer kleinen Menge Brandbeschleuniger übergossen und angezündet worden sei.

Oury Jalloh, ein Asylbewerber aus Sierra Leone war 2005 wenige Stunden
nach seiner Verhaftung in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt. Polizei
und Staatsanwaltschaft kamen damals zu dem Ergebnis, dass er den Brand
selbst gelegt hatte, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Auch in zwei
Landgerichtsprozessen hatte der Fall nicht geklärt werden können. An der
These eines Unfalls gibt es schon lange massive Zweifel – vor allem auf Seiten der Familie Jallohs.

Nachdem
Bittmann im vergangenen Zweifel an der Unfallthese geäußert hatte, hatte die
Generalstaatsanwaltschaft Naumburg in Sachsen-Anhalt das Verfahren der Dessauer Staatsanwaltschaft entzogen und den Fall Jalloh
an die Staatsanwaltschaft Halle übertragen. Diese stellte das
Ermittlungsverfahren im Oktober ein. Halles leitende Oberstaatsanwältin
Heike Geyer begründete dies damit, dass das Verfahren “keine
ausreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter
an der Brandlegung ergeben” habe. An der Unfallthese gibt es aber
weiterhin große Zweifel. Im Falle neuer Erkenntnisse könne das Verfahren aber wieder aufgenommen werden, sagte die Generalstaatsanwaltschaft.

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